SPD Tamm

150 Jahre Sozialdemokratie

Am 5. Mai konnten die vier SPD-Ortsvereine aus Asperg, Markgröningen,
Möglingen und Tamm den ehemaligen Berliner Regierenden Bürgermeister
Walter Momper zu einem Festvortrag zu*"150 Jahren Sozialdemokratie"
*begrüßen.
Neben interessanten Details aus den Wendetagen im Jahr 1989 aus Sicht
des damaligen Regierenden Bürgermeisters zeichnete Walter Momper
insbesondere ein Bild der ältesten deutschen demokratischen Partei, das
vom unablässigen Ringen um Freiheit gekennzeichnet war. Besonders hob er
die Verdienste von Otto Wels hervor, der 1933 als Vorsitzender der
SPD-Reichstagsfraktion schon unter den Zeichen des NS-Terrors eine
mutige und unvergessene Rede gegen die Abschaffung von Demokratie und
Menschenrechten hielt. „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre
nicht.“ - mit diesen Worten war Otto Wels damals der einzige, der noch
für Recht und Freiheit im Deutschen Reichstag eingetreten ist.
Ausführlich ging Walter Momper auch auf das Wirken von Willy Brandt ein,
der durch die Aussöhnung mit dem Osten nach dem zweiten Weltkrieg
maßgeblichen Anteil an der 20 Jahre nach der neuen Ostpolitik möglichen
Wiedervereinigung hatte. Besonderen Augenmerk galt dabei aber auch dem
stetigen Bemühen Willy Brandts um Freiheit und Demokratie und die erst
in seiner Ära begonnene Aufarbeitung der NS-Verbrechen in
Westdeutschland. Momper verwies auf den Ausspruch von Willy Brandt, dass
das Erreichte nie dauerhaft sei und stets neu erkämpft werden müsse.
Dies gelte in Zeiten der Globalisierung umso mehr für die soziale
Gerechtigkeit; aber auch eine lebendige Demokratie sei unter dem Diktat
der Finanzmärkte stark bedroht.
Neben dem Ruhmesblatt der Rede von Otto Wels erwähnte Walter Momper auch
das 1918 durch die Sozialdemokratie erstmals in Deutschland neu
eingeführte Frauenwahlrecht und die bis heute nicht vollendete Aufgabe
der Gleichberechtigung der Frau. Angesichts Herdprämie und anhaltendem
Widerstand gegen wirkliche Gleichberechtigung der Frauen auch in der
Wirtschaft sei die Sozialdemokratie nach wie vor gefordert.
 

 

Kabarett mit Simone Solga in der Tammer Kelter

110 Besucher fanden am 15.03.2013 den Weg zum politischen Kabarett mit Simone Solga - und haben es bestimmt nicht bereut. Solga zündete ein politisches Feuerwerk; dass ihr Programm trotz zunehmender Politikverdrossenheit funktioniert, liegt an ihrem etwas anderen Blickwinkel. Dabei fährt sie nicht die Schiene "weniger Inhalt, mehr Blödelei" oder mehr "Kabarett, weniger Comedy", sondern fesselt ihr Publikum mit intelligent gestrickter Wortakrobatik. Nach einem gekonnten Abschluss des gut zweistündigen (!) Programmes bedankte sich das Publikum mit überschäumdndem Beifall für einen herausragenden Kabarettabend. Gerhard Jüttner, der die Künstlerin mit einer Tüte unsreres schwäbischen Grundnahrungsmittels Spätzle verabschiedete, versprach: Simone Solga darf bestimmt wieder einmal die Tammer so gekonnt unterhalten wie an diesem kurzweiligen Freitagabend.

 

Politischer Kabarettabend mit Simone Solga

Freitag, 15.03.2013, 19:30 Uhr. Ort: Kelter Tamm (Kirchenplatz 4)

"Bei Merkels unterm Sofa"

Kartenbestellung: VVK: 07141/605583

Kartenvorverkauf: Schreibwaren Kellerstrass (Tamm, Hauptstraße 92/1),
Flora-Apotheke (Tamm, Ulmer Str. 12/2)
oder per E-Mail an m.stockmeier@gmx.de

(VVK 15 Euro, AK 18 Euro)

Kontakt: Gerhard Jüttner, Schorndorfer Weg 36, 71732 Tamm

Weitere Infos: http://www.simonesolga.de/index

 

Tammer Gespräch

„… und plötzlich hatten wir eine Krise“

Erst stürzten Banken, dann gerieten ganze Staaten ins
Straucheln: Die Finanz- und Schuldenkrise bestimmt das
politische Geschehen in Europa. Viele Menschen machen
sich Sorgen über die Stabilität des Geldes, und zwar heute
und morgen. Und: wie weit treibt uns die Verschuldung
in eine Handlungsunfähigkeit des Staates.

Immer wieder wird in der öffentlichen Diskussion die Frage gestellt, ob nach den Ereignissen
der letzten Monaten der Euro scheitern könnte. Dabei ist der Preis, den Deutschland für dieses Scheitern zu zahlen hätte, kaum bezifferbar. Was wenig berücksichtigt wird: Es träfe nicht nur Staat, Banken und Sparer, sondern auch Industrie und Mittelstand in Deutschland. In den vergangenen Jahren mühsam gesicherte Arbeitsplätze wären gefährdet.
Aber nur wenn die Ursache der Staatsverschuldung in der Finanzmarktkrise erkannt, nur wenn die Abwärtsspirale aus Verschuldung und Rezession, Hoffnungslosigkeit und Protest durchbrochen, nur wenn Konsolidierung durch nachhaltiges Wachstum gestützt wird, kann Europa die Schuldenkrise überwinden.
Ist die Politik in der Lage, dafür tragfähige Antworten zu finden? Wie sieht die Strategie zur Bewältigung der Finanzkrise aus? Und welche Kosten können auf uns zukommen?
Mit dem finanzpolitischen Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, den Heidelberger Bundestagsabgeordneten Lothar Binding haben wir einen kompetenten Experten zu Gast.

Vortrag und Diskussion zu den Themen Wirtschaftskrise, Eurokrise, Staatsverschuldung
mit Lothar Binding (MdB, Finanzpolitischer Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion)

am Mi., 06. Februar 2013, 19.00 Uhr im Restaurant Egelsee (71732 Tamm, Alter Weg 18, http://www.hotel-egelsee.de/)

 

Hilde Mattheis beim Tammer Gespräch

Die SPD müsse wieder sozialer werden, das war die Erkenntnis, die die Zuhörer des diesjährigen Tammer Gesprächs mitnahmen. Darunter waren nicht nur zahlreiche Genossen aus Tamm, den umliegenden Gemeinden oder Mitglieder der Afa, der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD, die ihre monatliche Sitzung für diese Veranstaltung extra nach Tamm verlegt hatten. Auch Bürgermeister Roland Zeller hatte den Tammer Genossen an diesem Mittwochabend einen Besuch abgestattet und sich im Gespräch mit Sitznachbarn als Anhänger Gerhard Schröders bekannt, wobei er dessen Engagement beim russischen Energieriesen „Gazprom“ jedoch scharf kritisierte.
Mit der Politik Gerhard Schröders ging die Referentin Mattheis an diesem Abend hart ins Gericht. Sie sei einem neoliberalen Zeitgeist aufgesessen, was dazu führte, dass sie SPD ihren eigentlichen Markenkern, nämlich den der sozialen Gerechtigkeit aus den Augen verloren hätte. Mattheis wies auf die zunehmende Armut am unteren Rand der Gesellschaft hin, die eine direkte Folge von Schröders Agenda- Politik sei.
Auf der anderen Seite sei jedoch das Privatvermögen in Deutschland seit 1992 von 4,6 auf über 10 Billionen Euro gestiegen, was die enorme Staatsverschuldung deutlich übersteige. Und dabei war sie bei der Hauptaussage ihres Vortrages, warum würden eigentlich nicht die privaten Vermögen stärker zur Verantwortung gezogen – Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, Kapitalertragssteuer waren hier die Stichworte - anstatt nur immer bei den Ärmsten der Armen zu sparen.
Den Fiskalpakt, den die Politik Angela Merkels im Sommer zur Abstimmung stellte, hatte die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis in der Abstimmung im Bundestag abgelehnt. In Tamm begründete sie , warum eine Schuldenbremse ihrer Meinung nach die Handlungsfähigkeit des Staates einschränke und damit die „Zukunft unserer Kinder“, so der Titel ihres Vortrages, gefährde.
Schulden machen sei für den Staat nicht nur ruinös, wenn man bedenet, dass Schulden durchaus auch Investitionen in die Zukunft sein könnten. So spare der Staat an der falschen Stelle, wenn er im Bildungsbereich nicht investiere. Das sei im privaten Bereich schließlich auch so. Ein Kind, das von den eigenen Eltern in der Ausbildung gefördert werde, könne mehr für die Altersvorsorge beitragen, als wenn diese Ausbildung von den Eltern verweigert werde.
In diesem Zusammenhang kam Hilde Mattheis auch auf die Rolle der Banken zu sprechen. Auf erregte Einwände einiger Zuhörer, der Staat würde sich durch immer wiederkehrende Rettungsschirme für Banken oder Griechenland irgendwann handlungsunfähig machen, sprach sie sich für eine stärkere Kontrolle des Investmentbankengeschäftes aus. Darin ist sich die Parteilinke mit dem neuen Kanzlerkandidaten Steinbrück einig.
Und auch Bürgermeister Zeller dürfte an diesem Abend zufrieden nachhause gegangen sein. Die Aussicht, dass sein Gemeindesäckel nicht nur einem strengen Spardiktat ausgesetzt ist, sondern dass es Alternativen zur aktuellen Regierungspolitik gibt, versprechen nicht nur ihm eine interessanten Wahlkampf.